Geschichte

Eine bekannte Familie "Kangal" züchtete diese Hunde nach altväterlicher Sitte, mit Sorgfalt und mit Blick auf das Wesen, sowie die Arbeitsleistung. Arbeiten mussten diese Hunde von je her: Denn die Zentraltürkei mit ihren heißen Sommern und den eiskalten Wintern war nie ein Paradies auf Erden. Ertragreicher Ackerbau war dort nicht möglich, daher ist die Weidewirtschaft die Lebensgrundlage der Menschen. Die Zentraltürkei war gleichzeitig auch ein Durchzugsgebiet für Völkerscharen. Deshalb brauchten die Menschen Hunde, die beides konnten. Beides heißt, ohne Hilfe und ganz selbstständig die Herden draußen beschützen und gleichzeitig das Hab und Gut der Menschen zuverlässig gegen Fremde bewachen. Als Karabas, "Schwarzkopf", leben heute noch diese Hunde in den Dörfern. Sie sind selbstbewusste Wächter die sich frei bewegen und frei vermehren können.
Aber jeder Hund hat sein eigenes Revier. Fremde Menschen werden aufmerksam beobachtet. Fremde Hunde werden wie Beutegreifer behandandet und vertrieben.
Jeden Morgen bricht der Hirte gemeimsam mit einer Gruppe von 3 bis 5 Hunden zu den Weideplätzen auf. Meist bleiben die Hunde dann mit den Schafen ganz allein draußen und passen auf, dass sich kein Viehdieb, egal ob Mensch oder Tier, ihrer Herde nähert. Am späten Nachmittag bringen sie die Herde wohlbehalten und sicher wieder ins Dorf zurück. Denn Kangals sind Hirtenhunde mit Treiber-Qualitäten.
Nein, Kangals sind keine Kampfhunde. Sie "kämpfen" noch nicht einmal gegen Wölfe. Sie zeigen sich, sie bauen sich auf, sie drohen. Erst wenn das nicht reicht, dann stürzen sie los, rempeln den Gegner zu Boden und fordern ihn zur Aufgabe. Kangals sind in ihrer Natur keine Beißer, sondern sie sind Ringer. Sie sind auch keine Angreifer, sie sind Verteidiger.
Durch jahrelange Wertschätzung der Hirten machten dann diese Hunde unter der Bezeichnung "Kangal" Karriere, wie zum Beispiel bei Polizei und Millitär. Im Laufe der Zeit wurden sie so zum türkischen Nationalhund, zu einem wertvollen nationalen Kulturgut, welches man nur ungern Fremden überließ.

Und das Misstrauen war berechtigt, denn kaum waren die ersten türkischen Landsmännder in das Ausland gereist, schon haben sich in den USA und in England die ersten Rassezuchtverbände gegründet. Nach nicht all zu langer Zeit war der Drang danach da, einen festen Standard festzulegen. Es gab zwar in der Türkei reinrassige Kangals, aber keinen Hundezuchtverein. Also übernahm der Intarnationale Kynologenverband, die F.C.I., die Herrschafft über alle türkischen Hirtenhunde und legte einen Standard fest, welcher für alle türkischen Rassen gleichzeitig gelten sollte. Nun kann man sagen, dass es seit 1989 keinen internationallen und offiziellen weißen Akbas, keinen sandfarbenen Kangal und keinen silbermelierten Karshund mehr gibt. Es gibt offiziell nur noch einen einzigen "Mischling" aus allen drei Rassen. Und dieser Mischling heißt "Anatolischer Hirtenhund".

